Rassismus in der Justiz – der Fall von Wilson A.

Bezirksgericht

« […] Der Fall hat nichts mit Racial Profiling zu tun. Die Polizei hat zur Aufklärung eines Delikts einen dunkelhäutiger Mann gesucht, also kann die Kontrolle des Privatklägers Wilson A. nichts mit Rassismus zu tun haben. […] »

Urteilsbegründung Bezirksgerichts Zürich vom 18. April 2018

So (paraphrasiert) lautete die Begründung in der mündlichen Eröffnung des Urteils des vorsitzenden Richters des Bezirksgerichts Zürich in einem Urteil vom 18. April 2018. Zwei Polizisten und eine Polizistin wurden vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens frei gesprochen. Nachdem sie Wilson A. (unten im Bild rechts vorne, nach der Urteilseröffnung) und seinen ebenfalls Schwarzen Freund in einem Zürcher Tram aufforderten auszusteigen und sich auszuweisen. Ohne individuell-konkretisierte Hinweise, die einen objektiven Tatverdacht begründeten.

Zum Hintergrund des Falles:
> Wilson A. – eine langjährige Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus

Die Polizeikontrolle eskalierte. Wilson A. musste mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital gebracht werden. Dies, weil er einzig aufgrund seiner Hautfarbe in Kombination mit seinem Geschlecht uns Lebensalter in Verdacht geraten ist. Während bei weissen Männern im selben Lebensalter wie ein aufgrund einer Straftat gesuchter weisser Mann stets eine Reihe von Faktoren eine Rolle spielen (müssen), die einen objektiven Kontrollanlass begründen.

Hier jedoch ging es um einen Schwarzen Mann. Einen Mann, der nach rassistischen Darstellungen vom Verteidiger des vom Bezirksgericht frei gesprochenen Einsatzleiters als starken, irrationalen und emotional unkontrollierten Mann beschrieben wurde, der nur durch brachiale Gewalt in Schach gehalten werden konnte.

Und das Gericht glaubte diesen rassistischen Darstellungen, anstatt ein unabhängiges Gutachten zum Verlauf der Kontrolle zu beantragen, wie es der Anwalt von Wilson A. mehrfach beantragte. Eine Kontrolle, im Rahmen derer Wilson A. die Polizisten eindringlich darum bat, ihn nicht anzufassen, weil er eine Herzoperation hinter sich habe. Stattdessen sprühten ihm die Polizisten Pfefferspray in die Augen, rangen ihn zu Boden, fügten ihm Stockschläge und Kniestösse zu und setzten zu einem minutenlangen Würgegriff an. Wilson A. schrie verzweifelt: «Ich kriege keine Luft», worauf ihm nur ein »Ist mir egal!« entgegengebracht und er mit »Scheiss-A…, geh zurück nach A…« beschimpft wurde.

Wilson A. reichte beim Obergericht des Kantons Zürich Beschwerde ein. Derzeit ist noch nicht festgelegt, wann die Verhandlung stattfinden wird.

Mehr zum institutionellen Rassismus in der Justiz:
> Rassistischer Polizeigewalt schutzlos ausgeliefert

Weitere Hintergründe zum Problem des institutionellen Rassismus in der Justiz in den Fällen von Wilson A. und Mohamed Wa Baile hier ab S. 257:
> Racial ProfilingStruktureller Rassismus und antirassistischer Widerstand

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