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Forschung

 

Kollaborative Forschung zu Racial Profiling in der Schweiz

Seit dem Frühjahr 2016 arbeiten wir in einem Forschungsteam von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, Betroffenen von diskriminierenden Polizeikontrollen und Weissen mit und ohne Migrationsgeschichte an einer Untersuchung zu Racial Profiling in der Schweiz. Mit der Studie dokumentieren wir Erfahrungen mit und Wirkungen von rassistischen Profilings sowie den Umgang damit, mit dem Ziel, Auswirkungen diskriminierender Kontrollen auf Betroffene sichtbar zu machen. Ein Abschlussbericht dieser Forschung mit einer Einordnung der Resultate in den nationalen, europäischen und internationalen Kontext ist für den Herbst 2017 geplant.

Hintergrund der Untersuchung war die Feststellung, dass es zwar Einzelberichte zu diskriminierenden Kontrollen in den Medien sowie durch Beratungsstellen und Community-Organisationen gibt, jedoch eine umfassende Dokumentation von Erfahrungen mit Racial Profiling bislang fehlte. Diese Leerstelle ist im Kontext des Strafverfahrens gegen Mohamed Wa Baile besonders deutlich geworden, denn von Seiten der Polizei und zum Teil der Politik dominieren Darstellungen, welche die Probleme als unbedeutend oder gar nicht existent behaupten. Entsprechend bedarf es einer Zusammenstellung, mit der die Dimension, die Wirkungen und Probleme dieser Praktik deutlich werden.

Neben der Dokumentation der Fülle an Problemen, die mit Racial Profiling erzeugt werden, wollen wir auch die politischen und juristischen Prozesse mit einer fundierten Kritik dieser diskriminierenden Praxis unterstützen. Dem interventiven Ansatz der Aktionsforschung folgend ist für uns das Verstehen des Phänomens Racial Profiling nicht zu trennen von dem Willen nach gesellschaftlicher Transformation. Für die Umsetzung einer antidiskriminatorischen und reflexiven Praxis von Institutionen halten wir es für zentral, Wissen über die Bandbreite an diskriminierenden Polizeikontrollen in der Schweiz zu dokumentieren und analytisch einzuordnen.

Um möglichst unterschiedliche Perspektiven und Umgangsweisen zu erfassen, arbeiten wir mit einem qualitativen Erhebungsverfahren. Wir führten 30 problemzentrierte Interviews durch mit Personen, die Racial Profiling in unterschiedlichen Städten der Schweiz erlebten (u.a. Bern, Basel und Zürich). Alle Interviews werden auf Grundlage des Fachethos sozialwissenschaftlicher Forschung streng vertraulich behandelt und entsprechend anonymisiert und pseudonymisiert. Die Auswertung erfolgt in Anlehnung an Bohnsacks ‚Dokumentarische Methode’ und auf Grundlage von Ansätzen der Critical Race Theory.

 

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